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Die Gemeinde Büchlberg liegt im südlichen Bayerischen Wald, etwa 15 km nördlich von Passau.
Die Entstehung von Büchlberg dürfte etwa in etwa um die Jahrtausendwende erfolgt sein. Die Besiedlung erfolgte von Passau aus an dem uralten Handelsweg, dem Goldenen Steig, der einst Bayern mit Böhmen verband.
1161 | übereignete Kaiser Friedrich Barberossa das Gebiet an die Bischöfe.
Seit 1220 bildet das Land der Abtei das Kernland des Fürstbistums Passau |
1194 | soll es einen Urkundlichen nachweis über einen Graf Thiemo von Puchlperch gegeben haben oder noch geben. |
Die Ortschaft Büchlberg und die Umgebung hat bis nach dem 2. Weltkrieg zur Gemeinde Leoprechting gehört (sh. Gemarkung –Grundstücke usw.).
Auf Anordnung der amerikanischen Besatzungsmacht erfolgte am 1. Aug. 1946 die Umbenennung in Gemeinde Büchlberg.
Im Zuge der Gebietsreform kam am 1. Juli 1972 die ländliche Gemeinde Nirsching (Hauptort Denkhof) zu Büchlberg.
36 Ortschafte
4521 Einwohner (mit Nebenwohnungen) Stand: 01.04.2019
28,5 km² Gemeindegebiet
490m über dem Meeresspiegel
Seit 1976 „Staatlich anerkannter Erholungsort“
Hier finden Sie Infos zum „Alten Büchlberg“!
Die Ortschaft Büchlberg liegt malerisch eingebettet an den Ausläufern des südlichen Bayerischen Waldes. Der waldreiche Landstrich nördlich der Donau war ursprünglich Reichseigentum, und Kaiser Heinrich II. (973-1024) schenkte einen Teil dieses „Nordwaldes“ im Jahre 1010 dem Kloster Niedernburg zu Passau. Die Besiedelung unserer Gegend erfolgte von Passau aus an dem uralten Handelspfad, dem „Goldenen Steig“, der einst Bayern mit Böhmen verband.Der Ort Büchlberg wird um die Jahrtausendwende oder kurz danach entstanden sein. Aus dem Verzeichnis der Passauer Grundherren geht hervor, dass Büchlberg eine Dorfsiedlung des Niedernburgischen Abteilandes war. Im Jahre 1161 übereignete Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) das Gebiet an die Bischöfe von Passau, und seit 1220 bildete das „Land der Abtei“ das Kernland des reichsunmittelbaren Fürstbistum Passau.
Im Land der Abtei wird 1195 ein Tiemo de Puchenberg als Dienstherr des Bischofs Wolfker von Passau erwähnt und um 1200 ein Cunradus de Buochelberge, die ersten urkundlichen Nachweise unseres Ortes. Verwaltungsrechtlich gesehen gehörte Büchlberg ursprünglich zum Amt Niedernburg, seit dem 13. Jahrhundert zum Fürstbischöflichen Landgericht Passau-Oberhaus und ab dem 16. Jahrhundert zum neuerrichteten Fürstbischöflich-Passauischen Pflegeamt Leoprechting. Mit der Säkularisation (1803) kommt das Fürstbistum Passau zum Königreich Bayern. Auch nach der Gründung des Bezirksamtes Passau gehörte Büchlberg zum Verwaltungsbereich Leoprechting, das 1876 Standesamt wurde. Erst seit dem 1. August 1946 heißt es „Gemeinde Büchlberg“. Zwölf Jahre später erhielt die Gemeinde Büchlberg ein eigenes Wappen, ein gespaltener Schild von Silber und Blau; vorne ist ein linkshin gewendeter roter Wolf, rechts sind drei silberne Halbmonde. Im Zuge der Gebietsreform 1972 wurde. Büchlberg die Gemeinde Nirsching (Hauptort: Denkhof) eingegliedert, und von der ehemaligen Gemeinde Raßberg kamen 1978 die Orte Manzenberg und Hartingerhof zu Büchlberg.
Die schrecklichsten Jahre erlebte Büchlberg wohl im 16. Jahrhundert, als unser Gebiet vom „Passauer Kriegsvolk“ heimgesucht wurde, und im Anfang des 30jährigen Krieges, als kaiserliche Truppen durchzogen. Eine andere Landplage war die Pest. An den „Schwarzen Tod“ erinnern noch zahlreiche Pestsäulen in der näheren Umgebung.
Schon 1579 soll hier am Fuße der Anhöhe eine Kapelle gestanden haben. Sie fiel 1723 einem Blitzstrahl zum Opfer. Die Kirche wurde neu aufgebaut und 1726 – am Feste des Hl. Ulrich – eingeweiht. Kirchlich gehörte Büchlberg zur Pfarrei Hutthurm. Nach einer Überlieferung soll Kooperator Sternbauer 1729 zur Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk nach Prag in Böhmen gereist sein und von dort ein Marienbild mitgebracht haben. Er ließ es 1735 in der Kapelle von Büchlberg aufstellen.
Vor diesem weitgereisten Marienbild wurde regelmäßig der Rosenkranz gebetet. Weil das Vertrauen zur Gottesmutter in verschiedenen Anlässen sichtlich belohnt wurde – zahlreiche Votivbilder bezeugen es – scharten sich immer mehr Hilfesuchende um das Bild. Bald kamen sogar Prozessionen und Wallfahrer aus Österreich und aus Böhmen zur „Mutter mit dem geneigten Haupt“. Der Wallfahrtsort wurde 1873 Expositur und ist seit 1893 eine selbständige Pfarrei.
Über Jahrhunderte hinweg dominierte die Landwirtschaft als Haupterwerbsquelle für die Bevölkerung. Hungersnöte wechselten mit guten Ernten. Kurz vor der Jahrhundertwende eröffnete die Firma Kerber in Büchlberg einen Granitsteinbruch. Von da ab erlebte die Gemeinde einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch das Ortsgepräge veränderte. In den späten 60iger Jahren wurde der Steinbruch infolge Absatzmangels aufgelassen; heute befindet sich im ehemaligen Steinbruchsgelände ein tiefer See. Der alte Steinbruch ist nun als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und soll für die Zukunft als flächenhaftes Naturdenkmal erhalten werden. 1959 errichtete die Firma Vilshöver (Engelskirchen) in Büchlberg einen Zweigbetrieb, heute Bayrische Bohrerwerke (BBW Büchlberg).
Als „Staatlich anerkannter Erholungsort“ im Passauer Land ist Büchlberg bekannt. Gut gepflegte Gasthöfe und mehrere Pensionen machen Büchlberg zu einem gern besuchten Urlaubsort. Die herrliche Landschaft, schöne Wanderwege, großzügig ausgebaute Sport- und Freizeiteinrichtungen und ein reichhaltiges Angebot an kulturellen Veranstaltungen gewährleisten einen angenehmen Aufenthalt in Büchlberg. 1984 wurden über 44000 Übernachtungen verzeichnet. Der Ort ist bequem über die B 12 zu erreichen, er liegt 15 km nördlich von Passau. Vom Bergholz (540 m NN) hat der Besucher bei klarer Sicht einen weiten Blick nach Süden bis zu den Alpen hin; vom Westen und Norden grüßen die Hauptberge des Bayerischen Waldes und im Osten und Süden sind die Ortschaften und Erhebungen des Nachbarlandes Österreich zu sehen. Die Gemeinde Büchlberg ist 28,5 qkm groß, umfasst 35 Ortschaften und hat rund 4000 Einwohner.
Aus dem Jahre 1958 datiert der erste Werbeprospekt für die »Sommerfrische BÜCHLBERG« (542 m ü.d.M.) am »Goldenen Steig«. Man bietet den Gästen »Erholung, Entspannung und Ruhe« an: »herrliche Südlage in waldreicher Umgebung, Spazierwege im Wald mit Ruhebänken. Rundblick zu den Bergen des Bayerischen- und Böhmerwaldes. Bei guter Sicht Fernblick bis in die Ost-Alpenkette. Badegelegenheit in der nahen Erlau.«
Der flüchtige Leser könnte daran denken, daß es sich bei diesem »Goldenen Steig« wohl um einen gut ausgebauten Wanderweg handeln muß; »golden« wahrscheinlich deshalb, weil dem Fremdenverkehr bei entsprechender Werbung eine »goldene« Zukunft beschieden sein werde. Doch erst in jüngerer Zeit wurde das »Wandern auf den Spuren der Salzsäumer« durch entsprechenden Ausbau und Markierung der vier Hauptrouten zu einer der vielen Erholungsmöglichkeiten in unserer Umgebung.
Ursprünglich jedoch war der »Goldene Steig«, die »Guldenstraß«, wie sie auch genannt wurde, genau das Gegenteil eines gemütlichen Wanderweges. Er war vielmehr im Mittelalter eine der ältesten und wichtigsten Handelsverbindungen durch Bayern, lange Zeit auch der »verkehrsreichste« Saumweg im ganzen südlichen Deutschland – »gulden« wegen der Maut- und Zolleinnahmen der am Wege liegenden Ortschaften und Besitztümer verschiedener Herrschergeschlechter. Kostbare Handelsgüter waren in erster Linie das Salz, aber Gewürze, Getreide, Früchte und sicherlich auch Glas. In Passau (in der Nähe des Schaiblingsturms) wurde das »weiße Gold« von Innschiffen, die vornehmlich aus dem Salzkammergut kamen, ausgeladen und von da ab auf dem Landwege nach Böhmen und Mähren weiterbefördert. Böhmen benötigte schon seit eh und je‘ das Salz; unter anderem zu Würz- und Konservierungszwecken, und anfangs waren es‘ offenbar allein die Böhmen, die den beschwerlichen und gefahrvollen Weg durch den »Nordwald« nach Passau wagten und begingen. Die ersten belegten Hinweise auf diesen Handelsweg datieren aus dem Jahre 1010. Im Laufe der Zeit bildeten sich vier Hauptwege heraus, die auch mehrfach untereinander über Quersteige in Verbindung standen; ihre wichtigsten Zielpunkte waren Bergreichenstein, Winterberg und Prachatitz (in der heutigen Tschechischen Republik) und das österreichische Mühlviertel. Auf den beschwerlichen Waldwegen und Steigen konnten die Waren nur von Kraxenträgern oder mit kleinen widerstandsfähigen »Saumrössern« transportiert werden. Räuberische Überfälle gehörten zur Tagesordnung.
Mehrfach belegt ist der Verlauf dieses bedeutenden Handelsweges im Bereich der Gemeinde Büchlberg. Vor allem Hufeisenfunde und heute noch nachweisbare Handwerksbetriebe oder Gasthäuser (Herbergen) zeugen immer noch von der ursprünglichen Wegführung. Wichtigster Ort war die Ansiedlung und das Pflegschaftsgericht Leoprechting (östl. der B12 gelegen), seit 1946 zum Markt Hutthurm gehörig. Die »Untere Straße« führte über den Büchlberger Ortteil Tannöd nach Reitberg. Bei diesem heutigen »Reitberger-Hof« teilten sich die Wege nochmals: einerseits Richtung Praßreut, über die »Erlauer Furt« bei der Freimadlsäge nach Eberhardsberg – andererseits nach Witzingerreut und Edthof. Beide stellten wichtige Querverbindungen dar und führten auch nach Waldkirchen. Der dortige Marktplatz soll seine Ausrichtung durch den Verlauf der im Hochmittelalter entstandenen »Abkürzung« über Eberhardsberg erhalten haben.
Walter H. Kreul
Heilig-Kreuz-Schwestern in Büchlberg
In der „Ewigen Anbetung“, der Zeitschrift des Provinz- und Missionshauses „Heilig Kreuz“ in Altötting im Heft Nr. 1/1988 beginnt ein Bericht: „Am südlichen Rand des Bayerischen Waldes, 15 km nördlich von Passau – am Goldenen Steig, dem ehemaligen Handelsweg nach Böhmen – liegt der Staatlich anerkannte Erholungsort Büchlberg. Ein Kilometer außerhalb des Ortskerns steht das Kinderheim St. Josef, umgeben von Wald, mit einem Ausblick auf eine herrliche Mittelgebirgslandschaft, die mit ihren endlosen Wäldern sich zu einer gewaltigen Kulisse entwickelt“.
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg bekam die Provinzleitung der „Lehrschwestern vom Hl. Kreuz“ in Altötting eine Papstspende zur Errichtung einer Kinderanstalt. Dem Orden wurden einige Objekte angeboten, darunter auch das „Herrenhaus“ der Familie Pangerl in Büchlberg. Die Provinzoberin, Mutter Tharsilla, kam am 16. Dezember 1921 nach Büchlberg. Ihr gefiel das „Herrenhaus“ so gut, dass sie es mitsamt den dazu gehörigen 23 Tagwerk Grund für den Orden erwarb. Aber erst am 10. Dezember 1924 konnte das Anwesen endgültig in Besitz genommen werden.
Am 16. Dezember 1924 zogen Theresia Unterreitmeier und Philomena Strohmeier als erste Schwestern in Büchlberg ein. Die neue Ordensniederlassung sollte ein Kinderheim kleinen Stils werden, und es sollte auch die erholungsbedürftigen Schwestern der Provinz aufnehmen. Zuerst musste das Gebäude instandgesetzt werden. Die Arbeiten führte Baumeister Heinrich Rothammer, Thyrnau, aus. Im Dezember 1925 war der Rohbau fertig, und Bischof Sigismund Felix von Passau konnte im Oktober 1926 die Hauskapelle im neuen St.-Josefs-Heim einweihen.
Wohl ein Dutzend Schwestern, die in Büchlberg gewirkt haben, zogen in die Mission. Schon 1928 verließ Philomena Strohmeier als Chilemissionarin den Ort. Dir folgte 1929 die erste Oberin von Büchlberg, Theresia Unterreitmeier, in die Mission nach Südafrika. Zur neuen Oberin wurde Evangelina Fertl berufen. Während ihres Wirkens verließ Pfarrer Karl Birkeneder Büchlberg. Sein Nachfolger, Pfarrer Franz Seraph Sigl, verstarb wenige Monate später, und es folgte 1933 Josef Raster als Pfarrer von Büchlberg. Im gleichen Jahr wurde Emanuela Fink Oberin im St.-Josefs-Heim.
1934 wurde das Rückgebäude umgebaut, denn in den so geschaffenen Räumen sollte für die Mädchen und Frauen der Umgebung Nähunterricht erteilt werden. Im gleichen Jahr wurde einer Krankenschwester des Ordens die ambulanten Krankenpflege in der Pfarrei übertragen. Eine Abordnung von Schwestern durfte 1938 an der goldenen Jubelprofess der Provinzialoberin Mutter Tharsilla teilnehmen. Im Kreszentiaheim in Altötting hielt Pfarrer Josef Raster die Festpredigt.
Mutter Tharsilla starb Ende 1938. Sie gab ihren Schwestern die Mahnung mit, in schwerer Zeit treu zusammenzuhalten, aus dem Glauben zu leben und viel zu beten. 1939 weilten Bischof Simon Konrad von Passau und die neue Provinzialoberin Mutter Hertha in Büchlberg. Oberin Emanuela Fink erhielt die Berufung zur Novizenmeisterin ins Mutterhaus. Oberin des St. Josefsheimes in Büchlberg wurde Arnolda Maidl, die bisher die größeren Kinder betreut hatte.
Unter dem 1. September 1939 stehen in der Chronik die Worte: „Wir haben Krieg“. Wenige Wochen später übernahm eine Schwester den Orgeldienst in der Kirche und eine weitere Schwester kam zur Dienstleistung in ein Lazarett nach Regensburg. 1940 wurde das Josefsheim in Büchlberg zum KLV – Lager. Das Heim hatte norddeutschen Jungen aus Hamburg und ihre Führer als Kinderlandverschickung zu beherbergen. Aus Platzmangel mussten jetzt drei Schwestern mit 35 Kindern in das Waisenhaus nach Hals übersiedeln.
In den Kriegsjahren wurde täglich vor dem Josefsheim die Hakenkreuzfahne gehisst; die Jungen erhielten Unterricht, betrieben Sport und unternahmen Ausflüge. Die Erzieher bereiteten den Schwestern keine Schwierigkeiten, allerdings wurde das Heim von der Partei häufig kontrolliert.
Unter Weihnacht 1942 heißt es in der Chronik: „Die Lebensmittel werden immer knapper. Der grausame Krieg geht weiter. Immer mehr Todesnachrichten kommen von den Fronten. Es möge doch bald Friede werden!“ Doch der unselige Krieg ging weiter. In die Zeit der Entbehrung fiel am 16. Oktober 1944 die Hundertjahrfeier der Kongregation.
Im Jahre 1844 war in Menzingen, im Kanton Zug in der Schweiz, die „Gemeinschaft der Lehrschwestern vom Hl. Kreuz“ gegründet worden. Gründerin war Mutter Bernarda Heimgartner und Vater der Idee war der Kapuzinerpater Theodosius Florentini. Eine Schwesterngemeinschaft war gegründet worden, die sich in den Dienst der Missionshilfe stellte und die zugleich in tiefster Hingabe an die hl. Eucharistie die Ewige Anbetung pflegte. Tiefste Mystik und aktivstes praktisches Leben sollten sich innig verbinden. 1896 wurde in Altötting das deutsche Provinz-Mutterhaus errichtet.
Im April 1945 rollten am Kinderheim Panzer vorbei. Die SS bezog Stellung in Großthannensteig. Freyung, Röhrnbach und Waldkirchen wurden beschossen. Auch in Denkhof schlugen Granaten ein. „Wird auch unser Ort in Flammen aufgehen?“ war die bange Frage der Ordensfrauen. Doch Büchlberg ergab sich, kein Schuss richtete im Dorf Schaden an.
Erleichtert atmeten die Menschen auf, und viele Beter strömten in die Kirche. Im Mai 1945 wurde das KLV-Lager im Josefsheim aufgelöst, und die Caritas brachte Flüchtlingskinder in das Heim. Große Not konnte so gelindert werden. Ein Kindergarten war bis Kriegsende in Büchlberg von NSV-Schwestern geführt worden. Nun wurde er von den Schwestern vom Hl. Kreuz übernommen.
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Das Kinderheim nach dem zweiten Weltkrieg
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde das Haus wieder als Kinderheim freigegeben. Nun tat sich ein weites Arbeitsfeld auf. Flüchtlingskinder aus den verschiedenen Ländern wurden aufgenommen und fanden Betreuung. Im Oktober 1946 wurde Arnolda Maidl als Oberin in das Kinderheim Rickenbach in Baden berufen. In Büchlberg trat Oberin Laurentia Böswald die Nachfolge an. Sie hatte jahrelang in Lettland gewirkt.
Schon 1948 begann Oberin Laurentia Böswald mit dem so notwendigen Erweiterungsbau. Der steinige Untergrund verzögerte den raschen Baufortschritt. Mitten hinein kam noch die Währungsreform. Es fielen jetzt zwar die Bezugsscheine für das Baumaterial weg, aber der Geldmangel bereitete ihr große Sorgen. Trotz allem konnte Pfarrer Josef Raster am 1. Dezember 1948 dem Neubau den kirchlichen Segen erteilen.
Ein weiterer Neubau wurde 1950 nötig, als Kinder von der Oberpostdirektion Regensburg zur Erholung nach Büchlberg geschickt wurden. Der Bau sollte im Erdgeschoß eine moderne Waschküche und Backstube erhalten und im Obergeschoß die Räume für die Kinder der Ferienerholung aufnehmen; die Säuglingsstation wurde durch die Glasveranda erweitert. Am 31. Januar 1952 stürzte der Balkon des Rückgebäudes mit 23 Mädchen der Nähschule ein. Dabei erlitt keine der Schülerinnen eine Verletzung.
Aus Dankbarkeit ließ Oberin Laurentia Böswald im Klosterwäldchen eine Muttergottes-Kapelle bauen, die im Jahre 1953 Prälat Baumgärtler einweihte. In der Kapelle wurde eine Nachbildung der Marien-Statue aus der Gnadenkapelle in Altötting aufgestellt. Zur Seite stehen die Figuren des heiligen Josef und des hl. Judas Thaddäus. Alljährlich finden Lichterprozessionen zur Kapelle beim Kinderheim statt.
Generaloberin Dominika Klaiber aus dem Mutterhaus in Menzingen regte bei ihrem Besuch im Sommer 1953 die Vergrößerung der Hauskapelle im Kinderheim an. Nach unermüdlichem Schaffen nahm im Herbst des gleichen Jahres Oberin Laurentia Böswald von Büchlberg Abschied. An ihre Stelle trat jetzt Oberin Johanna Maria Lämmle, die in Büchlberg bereits acht Jahre als Krankenschwester gewirkt hat.
Unter ihrer Leitung entwarf Architekt Hanfstingl den Plan für den Kapellenanbau. Die Bauleitung hatte Baumeister Bender jun. aus Altötting. Schon am 14. November 1955 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung nahm Bischof Simon Konrad Landersdorfer am 8. Mai 1956 vor und konsekrierte den Altar, den die Firma Kerber gestiftet hatte. Die Kapelle erhielt eine Statue „Maria Königin“ und 1957 einen von H. Winkler in Tonarbeit gestalteten Kreuzweg.
Nach der Amtszeit von Johanna Maria Lämmle kam am 19. August 1959 Rosaria Salzberger als Oberin nach Büchlberg. In ihrer Zeit wurde für die Landwirtschaft modernes Gerät angeschafft und ein neues Wirtschaftsgebäude (30,5 x 10,5 m) errichtet. Die kirchliche Weihe erteilte Jugendpfarrer Ludwig Plettl. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Milch, Gemüse und Brot reichen für den Eigenbedarf. Für die Arbeiten im Haus sind neben den 21 Schwestern noch 18 Mädchen angestellt. Betreut werden im Heim rund hundert Kinder. Für sie stehen Spielplätze und Geräte zur Verfugung.
1965 wurde Rosaria Salzberger in den Generalrat des Kreuzschwestern ins Mutterhaus Menzingen in der Schweiz gewählt. Zur Oberin des Kinderheimes St. Josef wurde jetzt Rita Abtmeier berufen. Sie war schon von 1948 bis 1955 als Leiterin des Kindergartens in Büchlberg tätig. Nun wurde zur Auflockerung der Kindergruppen ein Erweiterungsbau errichtet, dem Bischof-Koadjutor Dr. Antonius Hofmann im Oktober 1966 die kirchliche Weihe erteilte.
Bei einer Feuerwehrübung am Altbau des Büchlberger Kinderheimes wurden größere Mängel bei der Sicherheit festgestellt. Die Brandschutzauflagen für das Kinderheim führten schließlich zur großzügigen Planung für den Neubau. Oberin Rita Abtmeier fand mit viel Gottvertrauen den Mut zum Bau. Es entstanden Wohn-, Schlaf- und Essräume, eine Gymnastikhalle, ein Lehrschwimmbecken und ein Kinderschwimmbecken.
Am 18. Juli 1975 konnte das Kinderheim St. Josef in Büchlberg sein 50jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst in der Hauskapelle mit Dr. Antonius Hofmann, dem Bischof von Passau, und zahlreichen Ehrengästen feiern. In zahlreichen Strophen wurde dabei die Geschichte des Hauses besungen.
Nach dreijähriger Bauzeit mit einem Kostenaufwand von 4,5 Millionen DM, konnte am 22. Juli 1976, der Erweiterungsbau des Kinderheimes St. Josef seiner Bestimmung übergeben werden.
Bischof Dr. Antonius Hofmann erteilte dem Neubau die Weihe; die Festansprache hielt Staatssekretär Dr. Wilhelm Vorndran vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung. Er dankte den Schwestern für ihre unermüdliche Arbeit zum Wohle der Jugend. Die Heimkinder führten Tänze auf und sangen Lieder. Die Schwestern hatten mit viel Hingabe die Gestaltung der Einweihungsfeierlichkeiten vorbereitet.
Am 1. Oktober 1987 gab Oberin Rita Abtmeier aus gesundheitlichen Gründen die Heimleitung ab. Sie war aber weiterhin in Büchlberg mit Verwaltungsaufgaben betraut. Für die erfolgreiche Arbeit an der Jugend und beim Bau des Heimes wurde Sr. Rita 1988 mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Sie konnte 1999 im Mutterhaus in Altötting mit den Schwestern vom Heiligen Kreuz ihre 60jährige Ordensprofeß feiern.
1987 wurde Christine Stehböck Oberin. Sie ist seit 1962 in der Erziehung der Kinder in Büchlberg tätig. Das Kinderheim St. Josef wurde 1993 umgebaut und modernisiert. Die Renovierungsarbeiten wurden notwendig wegen der undichten, 20 Jahre alten Flachdächer und der unwirtschaftlichen Heizungsanlage. Auch hilft die 32 qm große Sonnenkollektoren-Fläche enorm beim Sparen der Heizenergie.
1997 wurde Agnes Purker zehnte Oberin im Haus St. Josef in Büchlberg. Die Träger und Mitarbeiter des Hauses St. Josef sehen ihr Ziel in der Vorbereitung der Kinder und der Jugendlichen auf ein selbständiges Leben im persönlichen und im beruflichem Bereich.
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Es muss ein schöner Anblick gewesen sein, wenn vor 150 Jahren ein Besucher Büchlberg von Süden erreichte. Der imposante Berg war bis zum Fuße dicht bewaldet. Noch heute heißt der Wald am Hügel das „Bergholz“.
Vor dem Büchel, der mit Buchen bewachsen war, lud die Wallfahrtskirche zum Gebet ein. Die wenigen Häuser und Höfe der Ortschaft standen an der schmalen Verbindungsstraße Hutthurm – Hauzenberg. An der höchsten Stelle des Berges trat der Granit offen zutage. Schon damals wurde er abgebaut.
Noch heute zeugen davon Torbögen und Türeinfassungen mit Jahreszahlen. Brunnkräne und Wassertröge vor den Bauernhäusern erinnern an die alte Zeit und in manchem Keller steht noch heute ein steinerner Sauerkrautbottich, der einst in keinem Hause fehlen durfte.
Ein Marterl mit der Jahreszahl 1867 auf dem Sockel ließ bis vor wenigen Jahren noch eine Bildtafel erkennen, die einen Verunglückten inmitten von Granitblöcken auf dem Berggipfel umgeben von Bäumen zeigte, und darüber in den Wolken schwebend die Büchlberger Gnadenmutter „Maria mit dem geneigten Haupte“. Der 1867 bei der Gewinnung des Granits tödlich verunglückte Steinhauer hieß Bergmann. Bis in unsere Zeit ist das „Haus zum Bergmann“ in Erinnerung.
Der älteste Steinbruch auf dem Gelände des Bergholzes ist der „Ruhrlbruch“. Südlich des Berges lag der „Sicklinger-Bruch“ und nördlich davon der „Eiblbruch“. Noch um die Jahrhundertwende haben in den Brüchen zeitweilig über dreißig Mann gearbeitet.
Auf der Bergkuppe soll nach der Jahrhundertmitte der Brauerei- und Schloßbesitzer Fein aus Fürsteneck mit H. Penzenstadler, einem reichen Bauern und Getreidehändler aus Büchlberg, einen Bruch in Betrieb genommen haben. Dieser Steinbruch wurde später von den Gebrüdern Kerber aus Kittlmühle samt der Landwirtschaft käuflich erworben. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg hat die Firma Kerber die restlichen Steinbrüche aufgekauft und stillgelegt.
Heute ist der Steinbruch ein idylisches Naturparadies
Die ersten Steinmetze kamen aus der Gegend von Hauzenberg nach Büchlberg. Sie machten sich im Ort ansässig und gingen „in den Berg“. Dank der Geschäftstüchtigkeit der Besitzer Karl und Johann Kerber nahm der Betrieb einen raschen Aufschwung. Schon um die Jahrhundertwende waren über hundert Brecher, Hilfsarbeiter, Steinmetze und Schmiede im Bruch beschäftigt, dazu eine große Zahl von Lehrlingen. In jenen Jahren wurde aus betriebseigenem Werkstoff das Verwaltungsgebäude am Steinbruch und die Kerber-Villa im Ort erbaut.
Das älteste Gebäude im Steinbruch war die Schmiede. Östlich der Schmiede stand 1906 eine Anlage zur Herstellung von Kleinpflastersteinen. Die Spalthämmer wurden damals von einer Dampfmaschine angetrieben. Granitfundamente am rechten Abhang erinnern noch an jene Anlage. Der Steinbruch lag früher viel höher auf dem Berg. Das gewonnene Material wurde vom Berg herab mit Loren in die große Werkstatt gefahren. Sie war an das Bürogebäude angebaut.
Sämtliche Steinmetze – oft über hundert an der Zahl – waren hier beschäftigt. Der Klang von Hammer und Meißel drang weit ins Land. Pferde zogen die leeren Rollwägen wieder in den Bruch hinauf.
Mit Pferdefuhrwerken wurden die Fertigstücke nach Kalteneck zur Verladung auf die Eisenbahn befördert. Ein Sattler war ständig beschäftigt, um das Zuggeschirr für die zehn Gespanne in Ordnung zu halten. Zwei Zimmerleute fertigten die Kisten und Verschläge für den Versand der Werkstücke. Damals musste alles sorgfältig verpackt sein, weil die Feinarbeiten und Profile nicht beschädigt werden durften. Das Futter für die Zugpferde lieferte die große Landwirtschaft.
Die Werkstätte zur Ausbildung der rund fünfzig Lehrlinge soll sich westlich des Betriebes, etwa beim Hochbehälter der Wasserversorgungsanlage am Bergholz, befunden haben. Bereits 1895 hat die Firma Kerber für die Lehrlinge eine Steinhauer-Fachschule errichtet. Die Lehrlinge erhielten Unterricht in Gesteinskunde, Modellieren, Architektur und Technischem Zeichnen. Noch heute sind Werkzeichnungen aus jener Zeit vorhanden.
Während Kommerzienrat Johann Kerber viel auf Reisen war und für große Aufträge sorgte, zeichnete Kommerzienrat Karl Kerber für den Betrieb, für den Versand und für die große Landwirtschaft verantwortlich. Aufträge für Steinmetzarbeiten gingen aus allen Teilen von Deutschland ein. Auch nach Holland, Belgien, Frankreich, England und Übersee wurden Werkstücke geliefert.
Ein riesiges Denkmal in Dreiecksform sollte sogar nach Südamerika geliefert werden. Auf der Rampe am Bergholz wurde es seinerzeit aufgestellt, um die Werkstücke und Teile genau zu prüfen und zu numerieren. Das Denkmal zeigte drei allegorische Figuren von vier Meter Höhe und in der Mitte eine Steinsäule mit drei zusammengewachsenen Palmen. Die verpackten Einzelteile wurden zur Eisenbahn gebracht und in Aschaffenburg auf ein Schiff verladen. Auf Main und Rhein ging der Transport nach Rotterdam. Dort wurde das Denkmal zur Fahrt über den Ozean verladen. Zwei Steinmetze sollten mitfahren, um die Aufstellung zu überwachen. Weil aber die Reisepapiere nicht rechtzeitig ausgestellt waren, fuhr der Frachtdampfer ohne sie ab. In einem schweren Sturm sank das Schiff.
Bauten wie das Reichsbankgebäude in Königsberg/Ostpreußen, das Kaufhaus Wertheim in Berlin, der Hauptbahnhof in Nürnberg, die Wendeltreppe im Germanischen Museum in Nürnberg, die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim, Brücken in Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen sollen mit Büchlberger Granit gebaut worden sein. Bei der Einweihung des Reichbankgebäudes in Königsberg soll Kaiser Wilhelm H. sich lobend über die fein geschliffenen Säulen geäußert haben. Weil die Firma Kerber überall besten Ruf genoss, bekamen die Steinmetzgesellen auf das Wort hin, in Büchlberg gearbeitet zu haben, überall Anstellung. Durch die vielen Arbeiten sammelten sich rund um den Bruch riesige Abfallhalden an. Diese Halden veränderten im Laufe der Jahre die Form und die Gestalt des Bergkegels. Durch Bepflanzung und durch die natürliche Bewachsung ist der Abraum des Steinbruches heute kaum mehr zu erkennen.
Zum Abtransport bruchrauher Steine wurde 1911 von Büchlberg nach Fischhaus eine Drahtseilbahn gebaut. Schon 1910 hatte die Firma Kerber zum Betrieb dieser Seilbahn ein Elektrizitätswerk errichtet. Bis in die zwanziger Jahre wurden täglich etwa zehn Eisenbahnwaggons mit Bruchsteinen und Pflastersteinen in Fischhaus verladen. Auf Betreiben der Firma wurde 1910 in Büchlberg im Anwesen Kerber eine Kgl. Bayerische Postagentur errichtet. Der wirtschaftliche, aber auch der kulturelle Aufstieg des Pfarrortes Büchlberg in der Gemeinde Leoprechting nahm seinen Anfang. 1915 starb Kommerzienrat Johann Kerber. Nun führte Kommerzienrat Karl Kerber den Betrieb allein weiter, bis 1919 sein Sohn Carl Kerber vom Militär und von der Ausbildung an der Technischen Hochschule in München zurückkehrte und ihn bei der Leitung des Betriebes unterstützte.
Nach dem Ersten Weltkrieg mussten große Mengen Pflastersteine zur Reparationszahlung an Frankreich geliefert werden. Eine weitere Werkstatt für Maschinenpflaster war notwendig. Beim Bau des Kachlet-Kraftwerkes wurden so viele Werksteine aus dem Bruch herausgebrochen, dass die Steinhauer befürchteten, der Felsvorrat ginge vorzeitig zu Ende. Die Jahre vor 1933 waren wie überall in Deutschland von Krisen und Arbeitslosigkeit überschattet. Erst 1934 gab es neue Großaufträge für Staatsbauten. Werksteine wurden jetzt zum Bau des Chemiewerkes Bayer in Leverkusen geliefert und Großaufträge gingen nach Nürnberg.
1939 starb Kommerzienrat Kerber. Als alleiniger Leiter war jetzt Carl Kerber für die Belegschaft von über 650 Arbeiter verantwortlich. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren in Büchlberg 200 Arbeiter und Angestellte tätig, in den Betrieben Matzersdorf, Höhenberg und Eberhardsreut weitere 450. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab der Betrieb vielen Familien Arbeit und Verdienst.
1961 starb Carl Kerber. Der Betrieb wurde noch einige Zeit weitergeführt und musste später aufgegeben werden. Die Gemeinde erwarb die Kerber-Villa, die heute als Rathaus genutzt wird. Zur Förderung des Fremdenverkehrs wurde 1975 im Bergholz ein Trimm-Dich-Pfad angelegt.
Besuchen Sie gerne unser Steinbruchmuseum.
Am 12. April 1889 richtete Johann Kerber jun. (1857-1915) aus Kittlmühle, Inhaber des Steinbruches in Büchlberg, an das kgl. Bezirksamt Passau die „gehorsame Bitte um Einrichtung einer Steinhauerschule in Büchlberg“. Er begründete seinen Antrag mit dem Aufschwung der Granitindustrie. Der Unterricht sollte in der Volksschule in Büchlberg stattfinden. Herr Kerber versprach, zur Vergütung für den Lehrer 100 Mark beizusteuern und die Kosten für die Einrichtung der Schule zu übernehmen.
Die Kgl. Regierung von Niederbayern in Landshut genehmigte die Errichtung der Steinhauerschule in Büchlberg als „gewerbliche Fortbildungsschule“ für die feiertagsschulpflichtigen Arbeiter. Am 10. November 1890 konnte die Steinhauerschule Büchlberg mit 20 Schülern, die alle im Steinbruch Kerber in Büchlberg beschäftigt waren, eröffnet werden. Die örtlichen Volksschullehrer Joseph Stoiber und Rudolf Saldier unterrichteten in den Wintermonaten an vier Abenden jeder Woche die Fächer Deutsch, Rechnen und Zeichnen und der Geistliche hielt die Religionsstunden.
Am 21. November 1894 forderte die Vorstandschaft der Schule, bestehend aus Pfarrer Zacher von Büchlberg als Lokalschulinspektor, Bürgermeister Krenn von der zuständigen Gemeinde Leoprechting und Johann Kerber als Vertreter der Firma Lina Kerber, die bisherige Steinhauerschule in eine Fachzeichenschule umzuwandeln. Der Schwerpunkt sollte jetzt auf die berufliche Ausbildung gelegt werden, damit die Steinmetze die Werkzeichnungen lesen und danach arbeiten konnten. An einem Fortbestand der Steinhauer-Feiertagsschule in der bisherigen Form war offensichtlich niemand mehr interessiert, denn Anfang 1895 wurde diese Schule „wegen Teilnahmslosigkeit“ aufgelöst.
Vier Jahre später, am 5. Mai 1899, wurde die angestrebte Fachzeichenschule in Büchlberg mit 28 Schülern neu eröffnet. Im gleichen Jahr entstand in Passau eine vierkursige Baugewerkschule für Steinmetze und Steinbildhauer. Bei ihrer Errichtung nahm man Rücksicht auf die Steinindustrie im Bayerischen Wald, wobei die Steinhauerschulen in Büchlberg und Metten als Vorbereitungsanstalten dienen sollten. Diese Baugewerkschule in Passau bestand bis 1911.
In der Zeichenschule in Büchlberg wurde die Konstruktion der vorkommenden Baustücke und die Herstellung von Schablonen, Bruchzettel und Bruchmaße mit Berechnung einfacher Werkstücke nach Kubikinhalt und Gewicht gelehrt. Schüler, die sich durch großen Fleiß und gute Leistung auszeichneten, erhielten Zeichenutensilien als Preise. Bei einer Inspektion äußerte sich Konrad Oebbeke, der Leiter der Technischen Hochschule in München, sehr positiv über den Schulbetrieb in Büchlberg. Für alle Lehrlinge der Firma Gebrüder Kerber war der Besuch der Zeichenschule obligat. Damals besuchten durchschnittlich 18 Schüler den Zeichenunterricht.
Nach einer Ministerialentschließung vom 8. Mai 1903 sollte der Unterricht jetzt als „Wanderunterricht“ in zwei aufsteigenden Kursen in jeweils zwei Semestern samstags erteilt werden. Die Leitung wurde Jakob Lang, Architekt an der Baugewerkschule Passau, übertragen. Die Lehrgegenstände waren Linearzeichnen, Projektionszeichnen, Modellieren, Freihandzeichnen und Gesteinslehre. An Samstagen fanden sich junge Steinhauer in der Schule zusammen, um sich vier Stunden ihrer Ausbildung zu widmen und in der fünften Stunde hielt der Architekt einen Vortrag über Gesteinskunde.
Von 1905 bis 1909 unterrichtete der Fachlehrer Roman Reiser aus Passau in Büchlberg. 1906 würdigte der Kgl. Forstrat Ludwig Leythäuser aus Landshut die Steinhauerschule. Der Unterricht umfasste die Elementarfächer, gewerbliche Buchführung und Zeichnen unter Berücksichtigung der Ausbildung im Steinhauergewerbe. Der Unterricht war unentgeltlich. Nach Reisers Abgang wurde der Zeichenunterricht nur mehr in den Wintermonaten, jedoch in drei Jahrgängen, erteilt. Zum Lehrplan gehörten jetzt auch der Umgang mit Sprengstoffen, Unfallverhütung und Erste Hilfe bei Verletzungen.
Granitunternehmer Kommerzienrat Johann Kerber stellte im Sommer 1914 bei der Regierung den Antrag zur Auflösung der Steinhauerschule, denn die Firma Kerber wollte künftig geeignete Lehrlinge durch ihren Techniker P. Maulbach im Lesen von Werkzeichnungen kostenlos unterrichten lassen und dafür auch einen Raum zur Verfügung stellen. Am 16. Dezember 1914 – inzwischen war der Weltkrieg ausgebrochen – genehmigte das Kgl. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten die einstweilige Aufhebung der Steinhauerschule in Büchlberg ab dem Schuljahr 1914/15.
Alle Bestrebungen nach dem Ende des Weltkrieges in den Jahren 1919 bis 1924, die Steinhauerschule in Büchlberg wieder zu eröffnen, blieben erfolglos. Dagegen wurde 1922 in Hauzenberg eine Fortbildungsschule mit einer Klasse für Steinhauer errichtet, in der ganzjährig an Sonn- und Feiertagen unterrichtet wurde.
Das Leben eines Steinhauers
Von allen Himmelsrichtungen her gingen die Steinarbeiter in den „Berg“, zur Arbeit in den Steinbruch. Die tägliche Arbeitszeit betrug zehn Stunden. Sie begann morgens um 6 Uhr; von 8 bis 8.30 Uhr war „Brotzeit“ und von 11 bis 12 Uhr Mittagspause. Viele Frauen und Kinder brachten den Männern das Essen, wenn sie weit weg wohnten.
Der „Altgeselle“ verkündete den Beginn der Arbeitszeit, indem er mit einem Meißel an einen eisernen Winkel schlug. Vor der Arbeit wurde mittags um 12 Uhr vom Bruchmeister das „Vater unser“ laut vorgebetet, dann erfolgte der namentliche Aufruf der Steinhauer. Um drei Uhr nachmittags gab es eine halbstündige Pause und um 6 Uhr abends war Arbeitsschluß. Im Winter wurde bei Petroleumlicht in der Werkstätten gearbeitet und die im Freien Beschäftigten solange es das Tageslicht zuließ.
Im Winter brachte jeder Steinmetz Reisigbündel mit zum Auftauen des gefrorenen Granits. Das Reisigholz wurde im Sommer von den Frauen gesammelt und gebündelt. Diese Bündel hießen „Gleinholz“. Das Licht drang nur durch Oberlichten in die geschlossene Werkhütte ein. Staub erfüllte den weiten Raum, in dem über hundert Steinmetze schafften, und Qualm reizte im Winter die Atemwege.
Die Gefährlichkeit des Steinstaubes für die Gesundheit war noch nicht erkannt, im Betrieb grasierte die „Lungensucht“. Das Durchschnittsalter der Steinhauer betrug um 1910 nur 35 Jahre. Wesentlich trugen dazu auch die schlechten Wohnverhältnisse und die Ernährung der Steinbrucharbeiter bei.
Offene Bauhütten wurden erst später eingeführt. Jetzt bildeten vier Männer eine „Kompanie“, die einander halfen. Hatte ein Steinmetz ein Werkstück zum Aufbänken, rief er: „Kompanie angesprochen!“ worauf ihm die andern drei halfen. Am Ende wurde gerufen: „Kompanie ist bedankt!“
War eine Besprechung der Arbeiter notwendig, so wurde sie vom Altgesellen bekannt gegeben. Er schickte einen Lehrbuben durch den Betrieb, der die Versammlungszeit laut ausrufen musste. Waren alle Betriebsangehörigen versammelt, rief der Altgeselle: „Das Budenrecht ist eröffnet. Wer meldet sich zu Wort?“ Die Lehrlinge durften bei der Versammlung nicht anwesend sein. Weil es damals noch keine Gewerkschaft gab, wurden die Lohnverhandlungen im Betrieb geführt und alle Vorkommnisse verhandelt. Am Ende der Aussprache rief der Altgeselle: „Das Budenrecht ist geschlossen; die Kollegen sind bedankt.“
Erst nach Beendigung der Lehrzeit durften die Lehrlinge in der Werkhütte arbeiten. Die Hilfsarbeiter und die Brecher hatten einen Leinenschurz mit Brustlatz zu tragen, die Steinmetze aber nur einen blauen Leinenschurz. Kam ein Steinmetz aber mit Brustlatz, so wurde ihm dieser sofort abgeschnitten.
An Hochzeiten beteiligte sich die gesamte Belegschaft. Nach Arbeitsschluß zogen die Kollegen in Arbeitskleidung ins Wirtshaus. Dabei musste der Schurz aufgerollt um die Hüfte getragen werden. Dann dröhnte beim Stampfen und Tanzen in den schweren Holzschuhen der Fußboden des Saales. Trotz des hohen Bierkonsums gab es nur selten Streitereien unter den Steinhauern. Eine Rivalität herrschte jedoch zwischen den Steinbrucharbeitern und den Bauernburschen. Bei Auseinandersetzungen gingen meist die Steinhauer als Sieger hervor.
Schon nach dem Gottesdienst ertönte an Sonntagen aus den Wirtshäusern der Gesang der Steinhauer. Starb ein Arbeitskamerad, so gingen alle mit der „Leich“. Im Wirtshaus wurde bei der Totensuppe schon gesungen und gelacht, weil der „draust am Friedhof“ sonst auch mitgefeiert hat. Vielleicht würde es der Tote übelnehmen, wenn um ihn getrauert würde. Zahltag im Betrieb war alle 14 Tage. Das Geld wurde in der Kantine ausgezahlt. Neben dem Zahltisch saß der Kantinenwirt mit dem Hut in der Hand und kassierte die Bierschuld ein. Das Bier für die Kantine lieferte die Brauerei Josef Kerber in Fürstenstein. Der Liter Bier kostete damals nur 20 Pfennige.
Besonders streng war damals die Abnahme von fertigen Werkstücken durch den Polier. Millimeterarbeit war verlangt und mancher schnaufte auf, wenn sein Stück Zufriedenheit fand. Für die Stadt Hannover wurde ein Brunnen gefertigt. Die Schale des Brunnens, die auf einem Sockel stand, hatte einen Durchmesser von drei Meter. Sie musste so genau geschliffen werden, damit das überlaufene Wasser rundum einen Wasserschleier bilden konnte.
Besuchen Sie gerne unser Steinbruchmuseum.
Das Büchlberger Rathaus – Zeuge alter Steinhauerkunst
1903 in „Zyklopenmauerwerk“ erbautes Gebäude. Die Bauweise weist auf die Mitwirkung italienischer Arbeiter hin. Es handelt sich um die ehemalige Kerber-Villa. Als diese mit Granit aus dem eigenen Steinbruch gebaut wurde, gehörte der Betrieb mit nahezu 1000 Beschäftigten zu den größten Granitunternehmen des Bayerischen Waldes. Neben dem Büchlberger betrieben die Gebrüder Kerber Steinbrüche in Hauzenberg, Tittling und Fürstenstein.
Seit 1970 wird das Gebäude als Rathaus der Gemeinde Büchlberg genutzt.
1994 erfolgte eine umfangreiche Sanierung unter
berücksichtigung des Denkmalschutzes.
Öffnungszeiten
| Montag: | 8.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr | |
| Dienstag und Mittwoch: | 8.00 bis 12.00 Uhr | |
| Donnerstag: | 8.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr | |
| Freitag: | 8.00 bis 12.00 Uhr | |
Standesamt:
| 8.00 bis 12.00 Uhr |
Das Rathaus ist heute zu den folgenden Zeiten geöffnet:
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